Der Botschafter der Ukraine Dr. Andrij Melnyk

Ukraine: Atomwaffen und verstrahltes Getreide

Der Botschafter der Ukraine Dr. Andrij Melnyk folgte einer Einladung des Bundestagsabgeordneten Klaus-Dieter Gröhler und hielt am 20.02.2017 in Berlin-Charlottenburg einen vielbeachteten Vortrag über die heutige Situation in der Ukraine.

Die Ukraine ist trotz des Verlustes der Krim flächenmäßig das größte Land in Europa. Sie ist nur 800 Kilometer von Berlin entfernt. Auf Grund dieser Nähe ist es erstaunlich, dass wir uns in Deutschland wenig bis gar keine Gedanken über die Menschen machen, die uns  – zumindest geografisch – so nahe sind.

In der Ostukraine wird noch immer heftig gekämpft. Es gibt dort viele Todesopfer.

Die wirtschaftliche Situation in der Ukraine ist schlecht. Der Krieg verschlingt sechs Prozent des Bruttoinlandproduktes. Der Mindestarbeitslohn beträgt €2,00/Stunde sagt der Botschafter, nach anderen Quellen liegt er aber wohl nur bei € 1,00/Stunde. Viele Ukrainer können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Der Botschafter lobte das Engagement deutscher Firmen in der Ukraine. Die Deutschen schaffen Arbeitsplätze in der Ukraine. Insbesondere die Zulieferer für den Automobilbau würden stark investieren. Allerdings steht bei den Firmen bei so niedrigen Löhnen wohl eher die Gewinnmaximierung als die Menschenliebe im Vordergrund. Dr. Andrij Melnyk wollte sich dieser Ansicht aber nicht anschließen, sondern sieht das deutsche Engagement rein positiv.

Ein großes Problem in der Ukraine ist offensichtlich die Korruption. Gerade auch in der Justiz sei diesem Problem nur schwer zu begegnen.

Eine erstaunliche Nachricht war, dass man die Schutzzone um Tschernobil um einen zirka 10 Kilometer-Radius  verringern will.  Die Schutzzone sei übertrieben weit gefasst.

Diese Auffassung verwundert, da man mit der Strahlung nicht vorsichtig genug sein kann. Die Ukraine ist ein so großes Land, dass es auf die Schutzzone nicht unbedingt zurückgreifen muss. Es steckt also etwas anders dahinter. Aber was?

Meine Recherchen haben nun ergeben, dass Großgrundbesitzer das Land in der Schutzzone billig aufgekauft haben und nun dort Landwirtschaft betreiben wollen.

Sollte die Schutzzone tatsächlich verkleinert werden und auf verseuchtem Gebiet Landwirtschaft betrieben werden, kann man keine landwirtschaftlichen Produkte aus der Ukraine mehr kaufen, weil man ja nicht weiß, ob sie aus der Schutzzone kommen. Das wäre der Untergang für die ukrainische Landwirtschaft.

Und da die Ukraine mit der Strahlung offenbar locker umgeht, wird erwogen, dass die Ukraine sich auch wieder Atomwaffen anschafft. Das Land fühlt sich gegenwärtig alleingelassen und schutzlos.

Deutschland wäre gut beraten, wenn es die Ukraine stärker unterstützen würde. Möglicherweise könnte Deutschland noch mehr eine vermittelnde Position zwischen der Ukraine und Russland einnehmen.  Es muss ein Weg für die Ukraine gefunden werden. Dies könnte auch der eines neutralen Staates zwischen Russland und dem Westen sein.

Die Ukraine und das Schicksal der Menschen dort kann uns nicht egal sein: Die Ukraine ist von Berlin aus genauso nahe wie Freiburg.

 

 

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