Googles Vernichtungsschlag gegen Kleinbetriebe

Rolf M. hat sich auf Smartphone-Reparaturen spezialisiert. Das Geschäft in Berlin-Charlottenburg läuft nicht übermäßig, aber der 53-Jährige kommt über die Runden.  Seine Kunden sind mit ihm zufrieden, denn eine Reparatur verlängert die wirtschaftliche Lebensdauer eines Smartphones beträchtlich und ist wesentlich günstiger als ein neues Gerät. Seine Kunden finden ihn meist über seine Werbeanzeigen im Internet. Jedenfalls lief das bisher so.

Seit einigen Wochen ist alles anders. – Rolf M.und andere freie Reparaturbetriebe  können bei Google keine Werbeanzeigen mehr schalten (https://www.golem.de/news/vorwurf-von-reparaturbetrieben-google-schadet-klimaschutz-durch-werbeblockade-1906-142087.html ) . Das ist eine Katastrophe für den Handwerker.

Natürlich hat er auch Stammkunden. Aber, das reicht für sein Geschäft nicht. Schließlich leistet er Qualitätsarbeit und wenn ein Smartphone repariert ist, dann läuft es wieder für lange Zeit. Der Kunde braucht dann keine weitere Reparatur. Also, muss Rolf M. im Internet Werbung machen, damit ihn die Neukunden finden. Aber, das geht jetzt nicht mehr. Google schaltet keine Werbeanzeigen mehr für Drittanbieter, die technischen Support für Produkte und Onlinedienste im Bereich „Verbrauchertechnologie“ leisten https://support.google.com/adspolicy/answer/6368711?hl=de .

Drittanbieter ist dabei jeder, der nicht von der Herstellerfirma autorisiert ist. Eine solche Autorisierung kann für die kleinen Reparaturbetriebe teuer werden- zu teuer.

„Wenn det so bleibt, kann ick den Laden dicht machen“, sagt Rolf M..

 

Und damit ist Google am Ziel: Google sind die freien Reparaturbetriebe nämlich ein Dorn im Auge. Warum? Ganz einfach: Google verkauf Smartphones. Der Markt für Smartphones ist gesättigt. Also muss künstlich die Nachfrage geschaffen werden. Und daher gilt: Es soll weniger repariert sondern mehr neu gekauft werden. Wenn repariert wird, dann möchte Google zumindest daran verdienen.  Google arbeitet dafür in den USA und Kanada mit einer Reparaturdienstkette zusammen.

Aber es geht nicht nur um den Verkauf von Google-Smartphones. Auch an dem Absatz von Appple-Smartphones hat Google Interesse.  Bei Apple ist die Google-Suche die Standardsoftware, sodass über diese Geräte erheblicher Traffic generiert wird. Werden also weniger Apple-Geräte verkauft, so hat das negative Auswirkungen auf den Traffic bei Google.

Google erklärt das Blockieren von Werbeanzeigen von freien Werkstätten nicht mit seinem unermesslichen Gewinnstreben. Nein, Google will die Verbraucher schützen. Es habe Missbrauch in diesem Bereich gegeben.

Der Runde Tisch Reparatur https://runder-tisch-reparatur.de/, ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen zum Schutz der Reparatur, hat sich  an die EU-Kommission gewandt, die Google zur Rechenschaft ziehen soll.

Die Frage ist, wie wirksam das sein wird. Bekanntlich entscheidet Google ja auch, wieviel Steuern der Konzern zahlt und die Politik macht das mit https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-04/kapitalismus-finanzialisierung-globalisierung-demokratie-ungleichheit

Bleibt zu hoffen, dass Google nicht auch noch die Herrschaft über die Gerichte übernimmt.

Rolf M. glaubt jedenfalls noch an ein Einschreiten der Politik oder der Gerichte. Falls das nicht geschieht, vernichtet Google den Betrieb des Handwerkers. Und – es trifft nicht nur Rolf M. Die Richtlinie gilt weltweit.

Das Vorgehen und die Macht von Google machen ihm Angst.

Google hat im Frühjahr 2018 sein internes Motto „Don’t be evil“ aus seinen internen Verhaltensregeln gestrichen.

 

 

Überraschung: China setzt sich für den Schutz der Privatsphäre ein

China schafft es immer wieder, den Westen zu verblüffen.

China geriet in letzter Zeit in die Schlagzeilen, weil es zum totalen Überwachungsstaat umgebaut wird. Privatsphäre? -Fehlanzeige!

Im letzten Jahr wurde bekannt, dass für jeden Bürger in China ein Sozialpunkte-Konto eingeführt wird. Dieses System baut darauf auf, dass jeder Bürger Daten im Netz hinterlässt. Der Staat sammelt diese Daten und wertet sie aus. Die Menschen erhalten entsprechend der Auswertung Punkte. Ist das Sozialpunkte-Konto gut gefüllt, erhält man beispielsweise leichter Kredite, ist der Punktstand schlecht, bekommt der Bürger keine Tickets für Flugreisen.  Das System dient dazu, die Bürger zu erziehen.

Außerdem werden neuerdings die Gehirnströme chinesischer Arbeitnehmer überwacht. Demnach werden in Helme und Mützen eingebaute Sensoren dazu verwendet, Emotionen von Fabrikarbeitern, Soldaten sowie Lokfahrern zu messen. Die Daten werden mittels Künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertet. Ist ein Arbeiter nicht gut drauf, wird er ausgewechselt.  Das soll die Effizienz und Produktivität steigern.

Wer sich bei dem Ganzen an Jeremy Benthams „Panopticon“ erinnert fühlt, mag richtig liegen.

Diese Erkenntnis ist erschreckend, verwundert in einer Diktatur wie China jedoch nicht.

Was jetzt aber völlig irritiert, ist, dass vor einigen Tagen chinesische Forscher und Ingenieure sowie Unternehmen gemeinsam die „Beijing AI Principles“ vorstellten. Dabei handelt es sich um 15 ethische Leitsätze zum Umgang mit KI.

Die chinesischen KI-Prinzipien ähneln weitgehend vergleichbaren Publikationen der EU. Es wird sogar ein „ausreichender Schutz“ der Privatsphäre gefordert.

Sobald sich die erste Verblüffung gelegt hat, kommt man ins Grübeln, was die Chinesen unter „ausreichendem Schutz“ verstehen? Was bedeutet Privatsphäre in einer Diktatur? Insgesamt gibt es dort viel Raum für Interpretation…

Allerdings gab es von China bereits im letzten Jahr sehr versöhnliche Töne in Bezug auf KI auf der World Artificial Intelligence Conference (WAIC). Dort ließ die Regierung verlauten, China wolle die Vorteile von KI mit anderen Ländern teilen.

Bei soviel plötzlicher Hilfsbereitschaft der Chinesen hat der ein oder andere EU-Bürger ein ungutes Gefühl. Wir sind die helfende Hand aus China nicht gewöhnt.

Auch steht diese Hilfsbereitschaft im Widerspruch zu der Tatsache, dass China ein aggressives Programm zum Ausbau seiner Vormachtstellung in diesem Bereich aufgelegt hat.

 

Wie ungünstig sich eine Vormachtstellung Chinas auswirken kann, sieht gerade Donald Trump. China droht im Handelskrieg mit dem Exportstopp „Seltener Erden“ in die USA. China hat bei „Seltenen Erden“ eine Monopolstellung. Rund 97 Prozent der weltweiten Versorgung mit dem Rohstoff, der unter anderem in der Handy- und Autoproduktion verwendet wird, stammen aus der Volksrepublik. Vor einiger Zeit knickte bereits Japan in einer diplomatischen Krise nach dem Einfuhrstopp von „Seltenen Erden“ sofort ein.

Mit seiner Vormachtstellung bei KI schafft China sich gerade ein neues politisches Druckmittel.

Offenbar benötigt China trotzdem noch ein wenig Hilfe von anderen Staaten bei der Entwicklung von KI. Das würde das widersprüchliche Verhalten erklären.