Überraschung: China setzt sich für den Schutz der Privatsphäre ein

China schafft es immer wieder, den Westen zu verblüffen.

China geriet in letzter Zeit in die Schlagzeilen, weil es zum totalen Überwachungsstaat umgebaut wird. Privatsphäre? -Fehlanzeige!

Im letzten Jahr wurde bekannt, dass für jeden Bürger in China ein Sozialpunkte-Konto eingeführt wird. Dieses System baut darauf auf, dass jeder Bürger Daten im Netz hinterlässt. Der Staat sammelt diese Daten und wertet sie aus. Die Menschen erhalten entsprechend der Auswertung Punkte. Ist das Sozialpunkte-Konto gut gefüllt, erhält man beispielsweise leichter Kredite, ist der Punktstand schlecht, bekommt der Bürger keine Tickets für Flugreisen.  Das System dient dazu, die Bürger zu erziehen.

Außerdem werden neuerdings die Gehirnströme chinesischer Arbeitnehmer überwacht. Demnach werden in Helme und Mützen eingebaute Sensoren dazu verwendet, Emotionen von Fabrikarbeitern, Soldaten sowie Lokfahrern zu messen. Die Daten werden mittels Künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertet. Ist ein Arbeiter nicht gut drauf, wird er ausgewechselt.  Das soll die Effizienz und Produktivität steigern.

Wer sich bei dem Ganzen an Jeremy Benthams „Panopticon“ erinnert fühlt, mag richtig liegen.

Diese Erkenntnis ist erschreckend, verwundert in einer Diktatur wie China jedoch nicht.

Was jetzt aber völlig irritiert, ist, dass vor einigen Tagen chinesische Forscher und Ingenieure sowie Unternehmen gemeinsam die „Beijing AI Principles“ vorstellten. Dabei handelt es sich um 15 ethische Leitsätze zum Umgang mit KI.

Die chinesischen KI-Prinzipien ähneln weitgehend vergleichbaren Publikationen der EU. Es wird sogar ein „ausreichender Schutz“ der Privatsphäre gefordert.

Sobald sich die erste Verblüffung gelegt hat, kommt man ins Grübeln, was die Chinesen unter „ausreichendem Schutz“ verstehen? Was bedeutet Privatsphäre in einer Diktatur? Insgesamt gibt es dort viel Raum für Interpretation…

Allerdings gab es von China bereits im letzten Jahr sehr versöhnliche Töne in Bezug auf KI auf der World Artificial Intelligence Conference (WAIC). Dort ließ die Regierung verlauten, China wolle die Vorteile von KI mit anderen Ländern teilen.

Bei soviel plötzlicher Hilfsbereitschaft der Chinesen hat der ein oder andere EU-Bürger ein ungutes Gefühl. Wir sind die helfende Hand aus China nicht gewöhnt.

Auch steht diese Hilfsbereitschaft im Widerspruch zu der Tatsache, dass China ein aggressives Programm zum Ausbau seiner Vormachtstellung in diesem Bereich aufgelegt hat.

 

Wie ungünstig sich eine Vormachtstellung Chinas auswirken kann, sieht gerade Donald Trump. China droht im Handelskrieg mit dem Exportstopp „Seltener Erden“ in die USA. China hat bei „Seltenen Erden“ eine Monopolstellung. Rund 97 Prozent der weltweiten Versorgung mit dem Rohstoff, der unter anderem in der Handy- und Autoproduktion verwendet wird, stammen aus der Volksrepublik. Vor einiger Zeit knickte bereits Japan in einer diplomatischen Krise nach dem Einfuhrstopp von „Seltenen Erden“ sofort ein.

Mit seiner Vormachtstellung bei KI schafft China sich gerade ein neues politisches Druckmittel.

Offenbar benötigt China trotzdem noch ein wenig Hilfe von anderen Staaten bei der Entwicklung von KI. Das würde das widersprüchliche Verhalten erklären.

 

 

 

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