Hochgiftige Luft in Flugzeugen! Atmen kann zur tödlichen Gefahr werden

Wer fliegt, begibt sich in die Gefahr des Todes. Dieser Aussage werden zumindest Menschen mit Flugangst sofort zustimmen. Allerdings denken die meisten bei Todesfällen in Zusammenhang mit Flugzeugen an Katastrophen im Sinne von Bruchlandungen, Abstürzen und Explosionen.

Die weitaus höhere Gefahr ist aber, dass man im Flugzeug schlichtweg vergiftet wird. Das ist kaum bekannt.

Gemeint ist das aerotoxische Syndrom. Unter diesem Begriff versteht man mögliche Gesundheitsschädigungen bis hin zum Tod durch Verunreingung der Atemluft in der Kabine von Passagierflugzeugen.

Die Verunreinigung der Atemluft in Flugzeugen entsteht dadurch, dass die Luft für die Kabine mittels einer Zapfanlage aus dem Verdichter des Triebwerkes bezogen wird. Aus dem Inneren des Triebwerkes tritt Öl durch die Dichtungen und gelangt so in den Luftstrom des Triebwerkes, wo es sich erhitzt (Pyrolyse). Die pyrolisierten Ölpartikel geraten dann als Dämpfe über die Zapfanlage in die Kabinenluft. Die Dämpfe sind nervenschädigend. Sie enthalten Stoffe wie Phenyl-Naphthylamine und Organophosphate wie Trikresyl-Phosphat. Jeder Stoff für sich alleine ist schon gefährlich, als Cocktail ergeben die Stoffe eine lebensgefährliche Mischung.

Der bekannteste Todesfall in diesem Zusammenhang ist der Tod des britischen Piloten Westgate im Jahr 2012. Im Rahmen einer Untersuchung eines Verfahrens zur Ermittlung der Todesumstände nach britischem Recht wurde festgestellt, dass sich auf Grund der vergifteten Atemluft in Flugzeugen bei Westgate Nachweise für lymphozitäre Mikrokarditis (Schädigung des Herzmuskels) zeigten. Der Leiter der Untersuchung Coroner Stanhope Payne forderte darauf im Jahr 2015 British Airways und  die britische Luftfahrtbehörde auf, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen. Dies wurde jedoch abgelehnt.

Auch bei weiteren unnatürlich verstorbenen Besatzungsmitgliedern zeigte sich eine Schädigung des Herzmuskels. Die vergiftet Atemluft führt natürlich nicht sofort zum Tode, sondern löst zunächst Symptome wie Atemnot, Kopfschmerzen, Muskelschwäche und Taubheitsgefühl aus.

Den Fluggesellschaften ist das Krankheitsbild bereits seit den fünfziger Jahren bekannt. Unternommen wurde dagegen bisher nichts. Dabei besteht die Möglichkeit Filter einzubauen. Die Flugzeuggesellschaften haben nicht einmal entsprechende Warnsysteme installiert.

Seit 2006 gibt es nun die Global Cabin Air Quality Executive (GCAQE ). Ihre einzige Aufgabe ist, für saubere Luft in der Kabine zu sorgen.  Das will sie mit der Einführung eines Bluttestes erreichen. Der Test soll die giftigen Dämpfe im Blut nachweisen und so den Betroffenen Beweise in die Hand geben. Damit soll der Druck auf Airlines und Flugzeughersteller erhöht werden, endlich Maßnahmen zu ergreifen.

Die Durchschlagskraft der GCAQE scheint aber sehr begrenzt zu sein, da sie seit 10 Jahren auf der Stelle tritt.

Es wäre naheliegend, dass sich die Politik der Sache annimmt. Allein mit der parlamentarischen Anfrage des Bündnis90/die Grünen hinsichtlich der Vorfälle mit vergifteter Kabinenluft ist es nicht getan. Es ist in unser aller Interesse, auf die Lösung des Problems zu drängen. Solange dies nicht geschieht, werden wir wohl weiter die folgenden Nachrichten lesen: Gift in der Kabinen-Luft, Germanwings-Airbus entgeht knapp einer Katastrophe (beide Piloten waren nahezu bewusstlos) http://www.bild.de/news/inland/notlandung/airbus-entgeht-katastrophe-26445074.bild.html; Dämpfe im Cockpit: Notlandung von Germanwings A319 https://www.austrianwings.info/2013/05/daempfe-im-cockpit-notlandung-von-germanwings-a319/; War es ein Cocktail? Zapfluft kann Piloten ausschaltenhttp://www.n-tv.de/panorama/Zapfluft-kann-Piloten-ausschalten-article14781446.html