Nordkorea: Nach Diplomatenflucht Vizeaußenminister verbannt?

Im August 2016 hat Herr Dr. Schlomann in diesem Blog mitgeteilt, dass ein hochrangiger Diplomat, nämlich Thae Yong Ho, Botschafter in Großbritannien, nach Südkorea geflohen sei. Dr. Schlomann warf damals die Frage auf, wie wohl die Nordkoreanische Führung auf diesen politischen Tiefschlag reagieren würde.

Nun wurde offenbar der Vizeaußenminister Kung Sok Ung mit seiner Familie aufs Land verbannt. Kung Sok Ung ist für die Botschaften Nordkoreas in Europa zuständig.

Von der Verbannung Kung Sok Ung berichtete jedenfalls die gewöhnlich gut unterrichtete südkoreanische Zeitung „JoongAng Ilbo“. Allerdings gab es auch schon sehr häufig Fehlmeldungen über das gut abgeschottete Nordkorea. Auf dem ersten Parteitag der Partei der Arbeit Koreas wurden beispielsweise einige ehemals führende Politiker des Landes in wichtige Positionen gewählt, obwohl sie zuvor von der Bildfläche verschwunden waren. Westlichen Medien hatten vor dem Parteitag gemeldet, dass dies Personen hingerichtet worden sein.

Die politische Situation in Nordkorea ist äußerst undurchsichtig. Bei einem Land, das ständig Atomtest durchführt, ist das nicht gerade beruhigend.

Politische Sensation: Stellvertretender Botschafter Nordkoreas nach Südkorea geflohen!

Beitrag von Gastautor Dr. jur. Friedrich-Wilhelm Schlomann:

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Dr. jur. Friedrich-Wilhelm Schlomann

Dr. Friedrich-Wilhelm Schlomann  hat 1948/49 Jura in in Rostock und Leipzig studiert, danach illegaler Widerstand gegen die DDR-Diktatur. 1950 Flucht. 1954 Erstes juristisches Staatsexamen in Freiburg i.Br. 1956 Promotion in Rechtswissenschaften in Basel. 1959 Zweites juristisches Staatsexamen. Ab 1959 arbeitet er im Archiv des Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen und 1961 bei der Psychologischen Kampfführung des Bundesministerium für Verteidigung. Von 1970 bis 1992 war er Redakteur der »Deutschen Welle«.  Von 1992-1995 Gastvorträge an der Universität Zürich. Dr. Schlomann gilt als einer der bestinformiertesten Kenner der Geheimdienstszene. Durch seine vielen Vorträge und Veröffentlichungen ist er einem breiten politischen Publikum bekannt. Er hat 13 Bücher veröffentlicht, davon sechs über Spionage (u.a. »Operationsgebiet Bundesrepublik« und »Die Maulwürfe«)

Die Lage in Nordkorea spitzt sich zu: Das Ministerium für Wiedervereinigung in Südkorea teilte heute mit, dass Thae Yong Ho (55), der stellvertretende Botschafter Nordkoreas in London, vor wenigen Tagen mit seiner Familie nach Südkorea geflohen ist. Thae Yong Ho war Nordkoreas Spezialist für Propaganda und Geheimdienste. Dass ein derat hochrrangige Diplomat flieht, ist eine echte Sensation und ein schwerer Schlag für Nordkorea.

Bleibt abzuwarten, wie die Nordkoreanische Führung auf diesen Tiefschlag reagiert. Japan sieht die Entwicklung sicherlich mit Sorge: Erst am 3. August 2016 hatte Nordkorea eine Rakte in den japanischen Seeraum geschossen, vgl. zu den Hintergründen auch den Blog-Beitrag vom 22. Juni 2016 „Nordkorea weiterhin auf Atomkurs: Musudan-Rakete abgefeuert!“

Gut informierte Kreise sehen in der gelungenen Flucht von Thae Yong Ho eine Meisterleistung des südkoreanischen Geheimdienstes und des englischen MI6.